Klassische Akupunktur

Akupunkturnadeln

Die klassische Akupunktur ist ein Teilbereich der chinesischen Medizin und stellt ein eigenes Medizinkonzept dar.

Bei der Entstehung von Erkrankungen spielen unsere Gefühle, der Einfluss von klimatischen Faktoren (Wind, Kälte, Hitze usw.) und die Ernährung eine elementare Rolle. Die klassische Akupunktur setzt diese Bestandteile miteinander in Beziehung, deshalb können ähnliche Symptome einer völlig anderen Ursache zugrunde liegen und haben dementsprechend auch einen unterschiedlichen Therapieansatz.

Die chinesische Medizin beruht auf das Gleichgewicht von Yin / Yang, den Fünf Wandlungsphasen, den Funktionskreisen und dem freien Fluss von Qi und Blut (Xue). Diese philosophischen Begriffe versuchen Beobachtungen, Erfahrungen und Wahrnehmungen verständlicher und greifbarer zu machen. In unserer westlichen Denkweise erscheinen diese Begriffe eher befremdend, sie sind aber entscheidend für die therapeutische Vorgehensweise.

Nach eingehender Diagnostik wird das momentane körperlich/geistig/seelische Befinden erfasst. Daraufhin werden an spezifischen Stellen des Körpers sterile hauchdünne Nadeln gesetzt und mit einem sanften Nadelreiz stimuliert. Organe bzw. Organbereiche, welche mit den jeweiligen zugeordneten Akupunkturpunkten in Verbindung stehen, werden nach alten traditionellen Vorstellungen zur Selbstheilung angeregt. Akupunktur kann gestörte Funktionen regulieren, aber zerstörte Strukturen nicht wieder herstellen.

Behandlungsablauf

Ersttermin
Bei der ersten Sitzung wird eine sehr ausführliche Erstbefragung (Erstanamnese) durchgeführt. Hier gilt es herauszufinden, wo die Beschwerden liegen, wie das Befinden des Patienten aktuell ist und welche Erkrankungen in der Vergangenheit aufgetreten sind. Auch Vorlieben, Abneigungen, Emotionen, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten usw. spielen eine wichtige Rolle. Zusammen mit der Anamnese (Befragung), der chinesischen Puls- und Zungendiagnose und dem Zustand von Haut, Haare, Nägel, Gesichtsausdruck, Gang usw., wird dann ein Gesamtkonzept erstellt.

Im Anschluss an die Befragung und die Diagnostik, erfolgt meist eine erste Behandlung. Entscheidend ist die ganzheitliche Betrachtungsweise und nicht die sich zeigenden Symptome.

Die Dauer der Erstsitzung liegt zwischen 1,5 bis 2 Stunden. Bitte planen Sie genügend Zeit hierfür ein.

Folgetermin
Bei den Folgeterminen wird immer eine Kurzanamnese vor der eigentlichen Behandlung durchgeführt. Hier werden der aktuelle Gesundheitszustand und eventuelle Veränderungen nach der letzten Akupunkturbehandlung abgefragt und ausgewertet. Bei Bedarf kommen noch weitere Therapien, wie Ohrakupunktur, trockenes Schröpfen, Schröpfkopfmassage, Gua Sha oder Moxibustion zum Einsatz. Welches Verfahren einzeln oder in Kombination angewendet wird, ergibt sich aus der Anamnese (Befragung) und der Diagnostik.

Folgetermine dauern im Durchschnitt ca. eine Stunde.

Indikationsbeispiele
Prinzipiell behandelt die klassische Akupunktur den ganzen Menschen. Ob Akupunktur als alleinige Therapie oder als unterstützende Maßnahme zur schulmedizinischen Behandlung geeignet ist, bespreche ich mit jedem Patienten persönlich.

   - akute und chronische Schmerzen des Bewegungsapparates
   - Migräne und Spannungskopfschmerzen
   - Allergien (z.B. Heuschnupfen)
   - Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
     (z.B. Colitis ulcerosa , Morbus Crohn)
   - Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes mellitus)
   - Erkrankungen des Hals-, Nasen-, Ohrenbereiches
   - Erkrankungen des Atmungssystems (z.B. Asthma)
   - Gynäkologische Störungen
   - Herz- und Kreislauferkrankungen
   - Erschöpfungszustände
   - Schlafstörungen
   - Konzentrationsstörungen
   - Prüfungsangst
     usw.

Kontraindikation
Das allgemeine Risiko für eine Akupunkturbehandlung ist im Allgemeinen als eher gering einzustufen. Trotzdem sollte bei einigen Personengruppen die Akupunktur unter besonderer Vorsicht angewendet bzw. abgeraten werden.

   - schwere psychische Störungen
     (z.B. Schizophrenie, Wahn, schwere Angstpsychosen)
     sind absolute Kontraindikationen
   - Notfälle
   - bei Epileptikern (nur unter Risiko-/Nutzenabwägung)
   - in der Schwangerschaft
     (trifft nur für bestimmte Punkte zu)
     und unter besonderer Vorsicht
     in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten
   - nicht direkt in Hautveränderungen
     (z.B. Leberflecken, Sonnenbrand)
     bzw. Hautschädigungen (z.B. Wunden) akupunktieren

Nebenwirkungen
Bei fachgerechter Anwendung ist die Akupunktur so gut wie nebenwirkungsfrei.

Durch die Nutzung von sterilen Einmalnadeln besteht nur ein sehr geringes Risiko einer lokalen bzw. allgemeinen Entzündung. Auch das Risiko übertragbarer Erkrankungen ist durch die Verwendung steriler Einmalnadeln, wie z.B. Hepatitis B oder HIV, so gut wie ausgeschlossen..

Nadelsensationen an der Einstichstelle von Akupunkturpunkten wie Kribbeln, Prickeln, ein Gefühl des „Elektrisierens“, Wärme- bzw. Schweregefühl oder auch ein dumpfes Gefühl sind Effekte, die in der Akupunkturtherapie erwünscht sind.

Die Einstichstelle kann etwas bluten (was in manchen Fällen sogar erwünscht ist, sog. Mikroaderlass).

Ein Bluterguss kann sich an der Einstichstelle bilden, der über mehrere Tage anhalten kann.

Vorübergehend kann es zu einer übermäßigen Entspannung/Ermüdung nach der Behandlung kommen und somit u.U. zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit.

Weiterhin kann es zu einem vorübergehenden Auftreten von vegetativen Reaktionen wie Schwitzen, Schwächegefühl, Schlafstörungen kommen.

Insbesondere nach der Behandlung kann es, bei zu schnellem Aufstehen, zu Kreislaufschwäche und/oder Schwindel kommen.

In der Einstichregion kann es zu Nervenreizungen, evtl. mit Schmerz- und Sensibilitätsstörung, kommen (eher selten).

Hinweis
Die Akupunktur gehört zu den alternativen Heilverfahren. Von der Schulmedizin wird sie nur teilweise anerkannt. Sie kann aber eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin darstellen.